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Freie Radikale lassen uns altern
„Die Theorie der Freien Radikale ist die meistgelesene Theorie über Altern. Freie Radikale sind der Ursprung vieler akuter und auch chronischer Krankheiten. Auf zellulärer Ebene sind sie für schwere Schädigungen verantwortlich.“ Dr. Nicholas Perricone
Normalerweise befinden sich Moleküle in einem ausgeglichenen Zustand, d. h., sie besitzen paarweise auftretende Elektronen. Freie Radikale sind Moleküle, die ein Elektron verloren haben, z. B. durch UV-Licht, Umweltgifte o. Ä. Durch diesen Elektronenverlust wird das Molekül instabil und sucht Ersatz. Da in unserem Körper normalerweise Elektronenmangel herrscht, findet es kein freies Ersatzelektron und raubt deshalb ein Elektron aus einem anderen Molekül. Freie Radikale werden deshalb auch als ‚Elektronenräuber’ bezeichnet.
Innerhalb von Sekundenbruchteilen ‚reisst’ das Freie Radikal aus einem seiner Nachbarmoleküle ein Elektron heraus und füllt so seinen eigenen Mangel auf. Aus dem Freien Radikal wird wieder ein normales, stabiles Molekül, aber es lässt natürlich sein Nachbarmolekül beschädigt zurück. Durch den erlittenen Elektronenverlust ist dieses Molekül nun zu einem Freien Radikal geworden und reagiert wiederum selbst mit einem seiner Nachbarmoleküle, indem es diesem ein Elektron raubt. So löst ein Freies Radikal eine Kettenreaktion von bis zu mehreren hundert Reaktionen aus, jede einzelne dieser Reaktionen besitzt ein zerstörerisches Potential. Denn beschädigte Moleküle oder Zellen können so stark beschädigt werden, dass sie funktionsunfähig werden.
Freie Radikale entstehen ständig – ausgelöst durch äussere Faktoren, aber auch während der ganz normalen Stoffwechselvorgänge in unserem Körper. Jede einzelne unserer 70 Billionen Körperzellen wird durchschnittlich ca. 10 000 Mal pro Tag von Freien Radikalen angegriffen! Und zwar sowohl von aussen als auch von innen.
Unsere Zellen umgibt eine Zellmembran, die aus zwei dünnen, flexiblen Lagen aus Fettmolekülen besteht. Sie schützt das Innere der Zellen, die dort befindlichen Zellorganellen und den Zellkern mit unserer Erbsubstanz, der DNS. Die Zellmembran ist aber auch für den Austausch zwischen dem Zellinneren und dem die Zelle umgebenden extrazellulären Wasser verantwortlich – also für den Nährstofftransport in die Zelle und dem Abtransport von Abfall- und Giftstoffen aus der Zelle heraus.
Lange Zeit dachte man, dass Schädigungen der Zellmembran weniger wichtig oder bedenklich seien als die Schädigungen im Inneren der Zelle. Im Bereich der Zellmembran besteht jedoch eine erheblich höhere Molekulardichte als im Inneren der Zellen. Freie Radikale greifen nicht gezielt bestimmte Moleküle an. Auf den entstandenen Elektronenverlust reagieren sie sofort, indem sie in ihrer unmittelbaren Umgebung irgendwo ein Elektron rauben. Je dichter die Moleküle aneinander liegen, desto wahrscheinlicher ist ein ‚Treffer’ (wie es jeder leicht nachvollziehen kann, der einmal ‚Schiffe versenken’ gespielt hat). Die Zellmembran bietet ein ‚optimales Ziel’ für Freie Radikale.
Die Zellmembran hat wichtige Aufgaben zu erfüllen, die der Zellversorgung dienen; eine Beschädigung der Membran wird deshalb logischerweise ernsthafte Konsequenzen haben. Darüber hinaus schützt die Zellmembran natürlich auch die in ihrem Inneren liegenden Zellteile. Ist dieser erste Schutzwall um die Zelle herum beschädigt, können Freie Radikale ungehindert in die Zelle eindringen und bis zum Zellkern gelangen. Genaugenommen bis in den Zellkern hinein, wo sie die DNS schädigen können. Ist unsere Erbsubstanz erst einmal geschädigt (in einem Maß, in dem sie nicht mehr repariert werden kann), wird sich diese Zelle in alle Zukunft nur noch beschädigt reproduzieren können.
Unsere Zellen altern, werden teilweise repariert, müssen aber auch immer wieder ersetzt, d. h. durch Teilung erneuert werden. Bei diesem Vorgang wird die DNS dupliziert, sozusagen eine genaue Kopie erstellt. Ist die Vorlage für die Kopie nicht mehr optimal, werden auch alle weiteren Kopien fehlerhaft sein.
Dazu kommt, dass sich Zellen nicht unbegrenzt teilen können. Sind die Zellen also fehlerhaft erneuert worden oder können sie sich nicht mehr teilen bzw. erneuern, kommt es zu dauerhaften ‚Fehlern im System’. Mit den Zellen altert unser Organismus. Fallen nur einzelne Zellen aus, fällt dies noch relativ wenig ins Gewicht. Mit zunehmender Anzahl von Fehlern oder Ausfällen werden jedoch die Funktionen beeinträchtigt – zuerst von Zellverbänden, dann von Organen, schliesslich vom gesamten Körper. Aber auch Falten sind ganz banal ein Zeichen für fehlerhaft replizierte Zellen (nicht umsonst treten bei Rauchern deutlich früher und massiver sichtbare Zeichen von Hautalterung auf: Rauchen produziert grosse Mengen Freier Radikale. Bräuchte man eine Bestätigung für den Zusammenhang zwischen Freien Radikalen und Altern, wäre sie hier sichtbar gegeben). Der Unterschied zwischen zarter, straffer und gesunder Babyhaut und der Haut älterer Menschen liegt also genau darin, dass sich unsere Zellen nicht unbegrenzt optimal erneuern und mit der Zeit geschädigt replizieren werden. Wobei bereits an dieser Stelle darauf hingewiesen sei, dass diese Fehler nicht unumkehrbar sind und das Schlagwort ‚Antiaging’ durchaus wörtlich zu nehmen: Altern ist beeinflussbar und seine Folgen bzw. Schädigungen sind teilweise tatsächlich wieder auszugleichen und rückgängig zu machen.
Unser Körper hat uns ein Schutzsystem gegen Freie Radikale mitgeliefert: die sogenannten Antioxidantien oder Radikalenfänger. Die Meisten kennen Antioxidantien unter Begriffen wie Vitamin C, Vitamin E, OPC oder Selen. Antioxidantien können relativ leicht ein Elektron abgeben und Freie Radikale entschärfen, was man auch ‚neutralisieren’ nennt – da die Moleküle dann aus ihrem aggressiven, ‚radikalen’, d. h. instabilen Zustand in die Stabilität zurückkehren und ‚neutral’ werden. Leider werden die meisten Freien Radikale selbst zu einem Freien Radikal, wenn sie ein aggressives Molekül neutralisiert haben. Es gibt nur ein einziges Antioxidans, das ein überschüssiges Elektron besitzt, mit dem es Freie Radikale neutralisieren kann: aktiven Wasserstoff, d. h. Wasserstoff mit einem zusätzlichen Elektron. Gibt der aktive Wasserstoff dieses Elektron an ein Freies Radikal ab, wird er nicht selbst zu einem Freien Radikal und beendet die Kettenreaktion der Freien Radikale sofort, ohne dass irgendwelche Schädigungen entstehen können.
Auch das Innere unserer Zelle ist ständig Angriffen von Freien Radikalen ausgesetzt – selbst dann, wenn die Zellmembran intakt ist. Denn auch im Inneren unserer Zellen entstehen ständig Freie Radikale, die entschärft werden müssen. Das Zellinnere hat zwar eine geringere Molekulardichte als die Zellmembran – die Wahrscheinlichkeit ist etwas geringer, dass ein Freies Radikal sofort nach Entstehen ein Molekül erwischt, dem es ein Elektron rauben kann – aber es muss natürlich mindestens ebenso gut geschützt werden. Im Inneren der Zellen liegt nämlich der Zellkern, und in diesem unsere DNS, die Erbsubstanz.
Freie Radikale entstehen beim ganz normalen Stoffwechsel in der Zelle, und das ständig. Dr. Perricone nennt noch zwei weitere Faktoren für die Entstehung grosser Mengen Freier Radikale direkt in den Zellen.
Die Zellmembrane bestehen aus zwei Lagen Phospholipiden, also Molekülen, die aus Phosphat und Lipiden, d. h. Fettmolekülen bestehen. Dr. Perricone sagt nun, dass sich – angeregt durch Freie Radikale – diese Phospholipide aufspalten in giftige Chemikalien, die Entzündungen verursachen. Diese Chemikalien dringen ins Zellinnere ein. Wenn die Phospholipide aufgespaltet werden, entstehen eine Fettsäure (Arachidonsäure) und oxidierte Fette (‚oxidiert’ ist mit Elektronenverlust gleichzusetzen, durch Freie Radikale verursacht). Einige dieser oxidierten Fette werden wiederum in Aldehyde umgewandelt, die nach Dr. Perricone eine entzündliche Kaskade auslösen. Dazu muss man wissen, dass die Zellmembrane achtmal so viel Sauerstoff enthalten wie andere Zellteile. Auch wenn Sauerstoff für uns lebensnotwendig ist: Die meisten Freien Radikale basieren auf Sauerstoff; Sauerstoffradikale sind sogar besonders aggressiv. Die Zellmembran mit ihrem hohen Sauerstoffgehalt ist also einerseits der S chutz für unsere Zellen – und andererseits leider auch der optimale Nährboden für die Entstehung aggressiver Sauerstoffradikale. Diese wiederum zerstören also die Phospholipide der Zellmembran; daraus entstehen dann giftige oxidierte Lipide und Aldehyde, die ins Zellinnere eindringen und dort Zerstörungen anrichten. Ausserdem docken diese Fette fälschlich an Rezeptormolekülen an und erzeugen die Entzündungskaskade, die unsere Blutkörperchen und Arterien beschädigen kann.
Der zweite wichtige Faktor ist, dass die oxidierten Fette die ATP-Synthese in unseren Zellen stören. ATP ist die ‚Energiewährung’ unseres Körpers. Im Inneren unserer Zellen befinden sich die sogenannten Mitochondrien, kleine Energiekraftwerke, die aus einem ADP-Molekül ein ATP-Molekül machen. Das kann man sich einfach wie eine Art Akku vorstellen, der von den Mitochondrien aufgeladen wird (wobei das ADP-Molekül der leere Akku ist und das ATP-Molekül der aufgeladene Akku). Benötigt unser Körper Energie, wird der ATP-Akku ‚geleert’ und ein ADP-Molekül bleibt zurück. Wir benötigen ständig Energie - alle 24 Stunden stellt jeder Mensch sein ganzes Körpergewicht in ATP her und verbrennt es wieder zu ADP.
Wenn aber Arachidonsäure in die Mitochondrien gelangt, stört sie die Energieproduktion und damit unseren Stoffwechsel. Anstatt dass die Mitochondrien ATP erzeugen und damit unsere Akkus aufladen können, wird die Energie unkontrolliert freigesetzt. Dabei entstehen weitere Freie Radikale, die wiederum die Mitochondrien angreifen oder zerstören können. Die Mitochondrien sind nicht einfach nur Zellorganellen. Sie sind winzige, selbständige kleine Organismen, die mit uns in Symbiose leben: Sie versorgen uns mit Energie und erhalten von uns dafür das, was sie zum Leben benötigen. Die Mitochondrien besitzen eine eigene DNS, sind also wirklich eigenständige ‚Wesen’. Aber sie besitzen keine Reparatursysteme. Werden sie massiv durch Freie Radikale geschädigt, gehen sie daher zugrunde, was zur Folge hat, dass wir im Laufe unseres Lebens immer weniger Mitochondrien besitzen. Dadurch wird weniger Energie erzeugt, der Energieumsatz sinkt, wir werden müde und schwächer. Wir nennen das ‚älter werden’; in Wirklichkeit sind aber Freie Radikale die Ursache.
Leider hören die Zerstörungen hier aber noch nicht auf. Die Arachidonsäure wird durch Enzyme wieder oxidiert; dabei einstehen eine Anzahl Substanzen, die entzündungsfördernd wirken, wie z. B. Prostaglandine (ein körpereigener Schmerzstoff, der z. B. zu Regelschmerzen führen kann) und Leukotrine (die u. A mit Asthma und allergischen Reaktionen in Zusammenhang gebracht werden). Das Zellinnere ist den entstehenden Entzündungen ziemlich schutzlos ausgesetzt. Ausserdem wird hier folgender Teufelskreis ausgelöst:
Dr. Perricone beschreibt die Zusammenhänge wie folgt, die zu dem führen, was er ‚Geburt einer Falte’ nennt:
Das Zellinnere ist mit einem gelatineähnlichen Material gefüllt, in dem der Zellkern ‚schwimmt’, ausserdem unsere Erbsubstanz und sogenannte ‚Transkriptionsfaktoren’, die eine Art Übersetzungsfunktion für die DNS bei der Zellteilung haben. Zwei dieser Transkriptionsfaktoren werden nicht aktiv, wenn nicht im Inneren der Zelle ein bestimmtes ‚Redox’-Level erreicht wird. Das Redox-Level ist ein Maß für das Verhältnis der Oxidantien/ Freien Radikale und Antioxidantien/ Radikalenfänger in unserer Zelle. Natürlich sollten hierbei die Radikalenfänger überwiegen. Wenn die Oxidantien aber die Übermacht gewinnen und die Verteidigungsmöglichkeiten der Zelle nicht ausreichen, nennt man den Zustand ‚oxidativen Stress’.
Die beiden erwähnten Transkriptionsfaktoren, NF-kB und AP-1 werden also nur dann aktiviert, wenn die Zelle extrem ‚gestresst’ ist. NF-kB dockt dann direkt an der DNS im Zellkern an und löst die Produktion von entzündungsförderndem Zytokin aus. Dr. Perricone bezeichnet sie auch als die ‚Serienkiller der zellulären Welt’.
AP-1 wiederum löst die Produktion einer Anzahl von Substanzen aus, einschliesslich der Produktion von Collagenasen – Enzymen, die Collagen abbauen. Collagen ist die Hauptsubstanz, aus der unsere Haut besteht. Wir haben keinerlei Schutzmechanismen, um die Collagenasen davon abzuhalten, Collagen abzubauen. Das Ergebnis sind winzig kleine Narben, die schließlich zu Fältchen und Falten führen.
Dr. Perricone ‚identifizierte’ damit neben den Schädigungen durch Freie Radikale einen weiteren Hauptfaktor für Zelldegeneration und die daraus folgenden Alterungserscheinungen, die äusserlich in Form von Fältchen sichtbar werden, innerlich aber natürlich genauso stattfinden. Das bedeutet aber, dass Altern konkrete Ursachen hat – die man mit der richtigen Vorgehensweise bekämpfen kann. Dies hätte zur Folge, dass Alterungserscheinungen teilweise gar nicht erst entstehen müssten bzw. verzögert werden könnten – und dass sie mit den richtigen Methoden sogar teilweise wieder rückgängig gemacht werden können.
Dr. Perricone hat hierfür Empfehlungen entwickelt, die auf fünf Faktoren beruht:
- 1. Grosse Mengen Wasser
- 2. Grosse Mengen hochwirksamer Antioxidantien, z. B. aus Obst und Gemüse
- 3. Grosse Mengen Protein, d. h. Eiweiss als Baustoff für gesunde Zellen
- 4. hochwertige essentielle Fettsäuren
- Vermeiden aller Lebensmittel, die Entzündungen begünstigen, z. B. Zucker, Weissmehl oder andere Lebensmittel mit einem hohen glykämischen Index (Glyx).
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